Serientagebuch: 13 Reasons Why – Kassette 1, Seite B

Es fängt wirklich an Spaß zu machen. Viel von traurigem Drama hat die Serie wirklich nicht. Neue Figuren werden eingeführt. Was treibt sie um, was ist ihr Hintergrund und was ist ihre Motivation? Vieles bleibt im Ungewissen. Es werden mehr neue Fragen aufgeworfen als Alte beantwortet werden. Die Komplexität steigt, die Figurenkonstellation weitet sich aus, neue Verflechtungen entstehen, es wird z.T. kryptisch und ungemein spannend und interessant.

Die Serie hat dabei eindeutig etwas von einem Thriller. Der Protagonist sucht nach Antworten, erhält sie aber nicht. Während die Sprünge in die Vergangenheit weiterhin den Futter für die Handlung bieten, überschlagen sich jetzt aber auch die Ereignisse in der Gegenwart. Die Konfrontation mit ehemaligen Tape-Hörern erweist sich als schwierig, stattdessen werden diese unruhig und versuchen mit den Geschehnissen klar zu kommen. Man hat des Gefühl hier bauen sich Intrigen auf, Parteien & Gruppierungen bilden sich und irgendjemand weiß mehr als die anderen. Gegen Ende dann eine große Enthüllung: Die Verbindungen reichen bis zur Mutter des toten Mädchens und so rast Tony bei einem Anruf der Mutter untermalt von einem heroischen “Run Boy Run” (Woodkid) in der Dunkelheit an dem Protagonisten vorbei und die Spannung erreicht ihre Höhe. Ich muss wirklich sagen, dass mich die Serie überrascht, denn sie ist wirklich etwas völlig anderes als ich erwartet habe. Handwerklich gefallen mir die Kniffe weiterhin. Ja, die Geschichte ist, wie bereits erläutert im Prinzip nicht mehr als ein Mystery-Box-Thriller an einer Highschool mit dem Hintergrund eines Selbstmordes und dem erzählerischen Stilmittels der Tapes und der Zeitsprünge, aber das ist sehr unterhaltsam. Nach typischer Serienmanier sind die Cliffhanger gezielt gesetzt und nach und nach offenbaren sich neue Versatzstücke der ganzen Wahrheit. Die Schreibe ist aber wahrlich nicht perfekt. Weiterhin wirkt alles leicht konstruiert und auch sind einige Dialoge sehr künstlich und unglaubwürdig. Insgesamt fühlt sich die Geschichte aber auch im Ganzen sehr unglaubwürdig und wenig realitätsnah an. Nichts desto trotz ist das alles sehr unterhaltsam und ich will wissen wie es weitergeht. Fraglich bleibt aber für mich weiterhin, ob das dem sehr ernsten Thema des Suizids gerecht wird und ob die Serie da doch ernstere Töne setzen kann.

Langsam erklärt sich mir aber der Erfolg. Diese Serie spricht als Highschool-Thriller mit immer wieder auftauchenden Unbekannten, mysteriösen Verflechtungen und neuen Enthüllungen fast jede Zuschauergruppe an. Es ist gerade nicht das depressive Drama, was eventuell abschrecken würde, sondern die fast schon leichte “krimihafte” Kost, die es so kompatibel und unterhaltsam macht.

 

 

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