Kritik: Wonder Woman (2017)

Wonder Woman ist unterhaltsames Hollywood-Kino, das nach Lehrbuch-Manier eine “Origin-Story” erzählt, die alle Eckpfeiler des dramaturgischen Aufbaus der 3-Akt-Struktur und eines “Fish-Out-of-Water-Characters” sklavisch abarbeitet und dadurch konventioneller kaum sein könnte.

Vielleicht ist aber gerade das, was DC derzeit braucht; einen klassisch inszenierten Film ohne große Experimente, ohne “künstlerisch-visionäre” Ideen, die schnell ein Fehlgriff werden können. Wonder Woman ist visuell ansprechend inszeniert, die Geschichte weiß zu unterhalten und die Action macht Spaß. Wonder Woman ist ein guter und empfehlenswerter Superheldenfilm, der aber die Chance vertut zu einem hervorragenden Film zu werden. Die Nolan-Dark-Knight-Trilogie ist großartig, weil sie über ihre Superheldeninszenierung hinaus gesellschaftliche, psychologische ethische/moralische Fragen und Dilemma behandelt, thematisiert und zur Diskussion stellt. Wonder Woman hätte mit seiner Verortung im 1. Weltkrieg das Potenzial gehabt die Grenzen zwischen gut und böse zu verwichen und die nationalistischen und gesellschaftlichen Ursachen dieses Krieges zu behandeln, gar zu verdeutlichen, dass es in diesem Krieg nur Böse gab und wie es zu dieser Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts kommen konnte. Natürlich erwartet man von einem Superheldenfilm nicht, dass er eine getreue historische Adaption jener Zeit ist, aber wenn man den Schritt geht seinen Film in einem realen Krieg spielen zu lassen, muss man auch mehr mit diesem Krieg machen als ihn für das “Setting-Establishment” der Hauptfigur zu nutzen.

Mit geschichtsklitternden Tendenzen wird hier ein stumpfes Gut/Böse-Schema aufgebaut, das in aller Inkonsequenz auch noch Kriegsgötter für das verfehlte Handeln von Menschen einführt und damit letztendlich seinen simplen Tropen verfällt und damit die Chance vertut mehr als nur ein unterhaltsamer Film zu sein.

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